Torsi

Figürliche in einem linearen Modus dargestellt wird. Große und kraftvolle Bewegungen korrespondieren mit feinsten Schraffuren und bilden einen spannungsreichen Dialog, der farblich unterstützt wird. Die Palette entwickelt sich in einem Spektrum von Rot-, Rosa-, und Gelbtönen und wird mit schwarzen Akzenten unterstrichen. Linie und Farbe bilden die primären Ausdrucksmittel dieser expressiven, nahezu aktionistischen Malweise. Während zwischen 1999 und 2001 das Mimetische noch klar erkennbar ist, tendiert Martha C. Kerschbaumer in späteren Arbeiten zu einer immer deutlicheren Auflösung des Figuralen.

In dieser Hinsicht stellt die in den letzten beiden Jahren entstandene Serie der Torsi einen Höhepunkt dar. Die Serie umfasst eine Gruppe von großformatigen Leinwandbildern und kleinformatige Grafiken, welche ein Höchstmaß mimetischer Reduktivität und Komprimierung der Expressivität aufweisen. Farblich auf Rot und Schwarz eingeschränkt, tritt die Linie als dominantes bildgestalterisches Element nun in voller Entfaltung hervor. Mit wenig sicher angelegten Strichen erfasst Martha C. Kerschbaumer das Antropomorphe in seinen grundsätzlichen Bewegungen, Haltungen und Gesten. Dabei bleibt die reale Struktur als Solche bestehen, verweigert jedoch eine Lesbarkeit im Abbildenden.

Martha C. Kerschbaumer liefert damit einen neuen Beitrag zu einer Interpretation des Figurativen, welche zwischen den Polen Expressivität und Minimalisierung festgemacht werden kann und setzt in diesem Sinne die österreichische Tradition des Expressionismus in einer postmodernen Diskursivität zur Disposition.

Der Torso ist ein fragmentarischer Überrest, ein aufgelöster Körper; entwurzelt, geköpft, insgesamt ein gewaltvoll monumentales, kunsthistorisches Thema von der Künstlerin frei interpretiert. Oftmals manieriert dargestellt findet sich in ihm der stärkste Ausdruck des Geistes voller kämpferischerEnergie: ein triumphaler Endpunkt im gleichzeitigen Augenblick von Tod und Wiedergeburt wie es uns auch die Plastiken Alfred Hrdlickas vor Augen führen.